GUY HELMINGER

[templatic_columns layout=“one_third“ title=“Portrait“]
Guy Helminger
[/templatic_columns]
[templatic_columns layout=“two_third_last“ title=“Biographie“]

Samstag, 16. April 2011, 16.30h
Lesung mit Hausschnaps und Gebäck

Gefördert durch das NRW-KULTURsekretariat und das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

Bilder der Lesung


Zur ersten Lesung im neuen Jahr, der zehnten Literaturveranstaltung
insgesamt, freut sie die galerie amschatzhaus einen der profiliertesten
deutschsprachigen Autoren überhaupt vorzustellen, nämlich den
Köln-Luxemburger Romancier und Lyriker Guy Helminger.

Helminger, geboren und aufgewachsen in Esch-sur-Alzette, bediente sich
seit seiner Übersiedlung nach Köln 1985 der deutschen Sprache für seine
Literatur. Seinen Durchbruch erlebte Guy Helminger 2004 bei den Tagen
der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt, dem
Ingeborg-Bachmann-Preis, wo er den 3Sat-Preis erringen konnte und
darüber hinaus mit seiner sympathischen Art und einzigartigen
Vortragskunst ein großes Publikum für sich gewinnen konnte.

Der bei Suhrkamp veröffentlichte Erzählungsband „Etwas fehlt immer“
(2005) erfuhr denn auch gewaltige Aufmerksamkeit, die beunruhigende
Spannung dieser Kurzgeschichten um Hundefolterer, Stalker und andere
Alptraumgestalten der Großstadt zogen zahlreiche Leser in ihren
gruseligen Bann. Mit seinem Debüt-Roman „Morgen war schon“ (2007)
brachte er die Qualitäten der kurzen Form auch auf die längere Strecke.
Die Frankfurter Rundschau sah darin gar die „mögliche Zukunft des
Familienromans“ und die Süddeutsche Zeitung lobte die
„Kombinationstaktik“ des Buches.

In seinem neuen Roman „Neubrasilien“ hat sich Helminger einer brisanten
Thematik angenommen: Basis dafür ist eine authentische Geschichte aus
dem 19. Jahrhundert: Im Frühjahr 1828 machte sich eine Gruppe von
Landbewohnern, all ihr Hab und Gut zurücklassend, auf den Weg nach
Brasilien, angelockt von Anwerbern des brasilianischen Königs, die
fruchtbaren Boden und ein gutes Leben versprachen. Angekommen in Bremen,
müssen sie erfahren, dass das Angebot nicht länger aktuell war und keine
weiteren Aussiedlerschiffe mehr nach Brasilien abgingen. Ihnen blieb
keine andere Wahl, als in ihre alte Heimat zurückzukehren, als Besitz-
und Rechtlose.

Diese historische Begebenheit hat Helminger kunstvoll mit einer
aktuellen Emigrationsgeschichte parallel geschaltet: Kurz vor der Wende
zum 21. Jahrhundert kommt eine Gruppe montenegrinischer Flüchtlinge nach
Luxemburg. Auch sie haben ihr Zuhause verlassen und sind auf der Suche
nach einem besseren Leben fernab von der kriegszerstörten Heimat. Zwar
können sie sich einrichten in dem neuen Land, ihnen geschieht kein
Unglück, sie werden rechtschaffen behandelt, doch eine Perspektive für
die Zukunft bietet sich nicht.

Die beiden Erzählstränge fügen sich zu einer großen, universellen
Erzählung über das, was Menschen antreibt bei ihrer Suche nach
Gemeinschaft und einem guten Leben.

Richard David Precht urteilte im Schweizer Literaturclub: „Diese Geschichte ist tief und spannend erzählt (…) es geht um Verlorenheit,
um Fremdheit, um Migration (…) in der sensiblen Form, in der es
geschildert wird und mit der enormen Sprachwucht von Guy Helminger
bekommt man so ein feines Gespür dafür, für Migrantendasein und für das
Elend, das dazugehört.“

Guy Helminger wurde geboren am 20. 01. 1963 in Esch-sur-Alzette
(Luxemburg), seit 1985 wohnhaft in Köln. Studium der Germanistik und
Philosophie in Luxemburg, Heidelberg und Köln. Arbeitete als Barkeeper,
Schauspieler, Regieassistent und 3D-Grafiker. Juni-Juli 2006
Stadtschreiber in Hyderabad (Indien). Februar-März 2007 Aufenthalt in
Teheran (DW-Blog) im Rahmen des Projektes „westöstlicherdiwan“ Dezember
2008 – Januar 2009 Autorenresidenz Deutsches Haus Sana’a
(Jemen)(Internet-Tagebuch Jemen). Seit Januar 2010 Moderation der
Sendung KULTUR bei RTL (Luxemburg).

Auszeichnungen:
2001 5 Sekunden Leben. (Hörspiel des Monats März)
2002 Förderpreis für Jugend-Theater des Landes Baden-Württemberg
2002 Prix Servais
2004 3sat-Preis (28. Tage der deutschsprachigen Literatur in
Klagenfurt) 2006 Prix du mérite culturel de la ville d’Esch

Prosa:
Die Ruhe der Schlammkröte. (Roman) Köln 1994 (Neuhrsg.u. mit Anm. vers.
von Manuel Andrack, Kiepenheuer & Witsch 2007); Rost. (Kurzgeschichten)
Editions Phi, Echternach 2001; Etwas fehlt immer. (Erzählungen) Suhrkamp
2005; Morgen war schon. (Roman) Suhrkamp 2007; Neubrasilien. (Roman)
Eichborn 2010.

Lyrik:
Die Gegenwartsspringer. (Gedichte) Verlag am Schluechthaus, Esch/Alzette
1986; Entfernungen (in Zellophan). (Gedichte) Editions Phi, Echternach
1998; Leib eigener Leib. (Gedichte) Editions Phi, Echternach 2000; Ver-
wanderung. (Gedichte) Editions Phi, Esch/Alzette 2002

Hörspiele:
Habicht. Saarländischer Rundfunk 1999; 5 Sekunden Leben. WDR 2001;
Morgen ist Regen. WDR 2001; Wasser. WDR 2002; Nachbarn. HR 2002;
Fluggeräte. WDR 2003; Rekonstruktion Kresch. WDR 2005; Frau Gantner. WDR
2010

Theater:
Wer noch glaubt. Uraufführung in Köln 1992; Venezuela. Uraufführung in
London 2003

[/templatic_columns]